Ein sonniger Nachmittag im Garten. Beim Gießen der Blumen verliert eine 82-jährige Frau das Gleichgewicht. Sie stürzt und zieht sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Was auch ihrem Mann zunächst wie ein simpler Knochenbruch vorkommt, kann für ältere Menschen weitreichende Folgen haben. Schmerzen, eine Operation und die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus erhöhen das Risiko für Komplikationen. Nicht selten drohen Verwirrtheitszustände, der Verlust der Mobilität oder sogar der dauerhafte Abschied vom selbstständigen Leben in den eigenen vier Wänden.
Ein Sturz kann also das Leben älterer Menschen von einem Moment auf den anderen verändern. Umso wichtiger ist eine schnelle, gut koordinierte und auf die besonderen Bedürfnisse älterer Patienten abgestimmte Versorgung. Genau darauf ist das zertifizierte Alterstraumatologische Zentrum (ATZ) am Alb-Donau Klinikum Ehingen spezialisiert.
Mehr als die Behandlung eines Knochenbruchs
Wenn Menschen nach einem Sturz mit einem Knochenbruch in die Notaufnahme kommen, beginnt die Behandlung bereits dort mit klar abgestimmten Abläufen. Patienten ab 70 Jahren, die für die Versorgung im Alterstraumatologischen Zentrum in Frage kommen, werden frühzeitig erkannt. Neben der Diagnostik und der oftmals notwendigen Operation berücksichtigen die behandelnden Teams von Anfang an auch Begleiterkrankungen und besondere Risiken des höheren Lebensalters.
Denn ältere Menschen benötigen häufig mehr als eine erfolgreiche Operation. Ziel ist es, typische Komplikationen zu vermeiden und die Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen. Deshalb arbeiten Fachärzte der Unfallchirurgie, Anästhesie und Altersmedizin (Geriatrie) ebenso eng zusammen wie Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie und Sozialdienst. Bei Mangelernährung und Schluckstörungen unterstützen ergänzend die Logopädie und Ernährungsberatung. Gemeinsam begleiten sie alle den gesamten Behandlungsverlauf.
Delir früh erkennen und vorbeugen
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vorbeugung und dem frühzeitigen Erkennen eines Delirs. Dabei handelt es sich um einen plötzlich auftretenden Verwirrtheitszustand, der insbesondere nach Operationen bei älteren Menschen auftreten kann. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an und ist bei Menschen mit Demenz besonders hoch. Ein Delir kann den Heilungsverlauf verzögern, die Mobilität einschränken und den Verlust der Selbstständigkeit begünstigen.
Im Alterstraumatologischen Zentrum kommen deshalb verschiedene standardisierte pflegebasierte Assessmentinstrumente zum Einsatz, mit denen gefährdete Patienten frühzeitig erkannt und engmaschig beobachtet werden. Die Sensibilität für dieses Krankheitsbild ist in allen beteiligten Berufsgruppen sowohl in der Unfallchirurgie als auch in der Akutgeriatrie fest verankert. Mitarbeitende der Pflege werden regelmäßig geschult.
Als niedrigschwellige Methode haben sich sogenannte „One Minute Wonder“ etabliert – kurze Lerneinheiten, die direkt im Arbeitsalltag Wissen vermitteln und regelmäßig auffrischen.
Durch das Alterstraumazentrum hat sich die Schnittstelle mit der Geriatrie noch weiter verbessert. Und davon profitieren vor allem die Patienten.
Es freut mich sehr, dass wir eine Maßnahme zur Verbesserung der Patientenversorgung möglich machen konnten, obwohl diese keine Erhöhung der Vergütung bewirkt.“
chirurgischer Zentrumskoordinator
Gleichzeitig bringen wir unser Wissen über typische Alterserkrankungen, Demenz und Delirprävention ein. Gerade diese enge Zusammenarbeit macht den Unterschied.“
Zentrumskoordinatorin der geriatrischen Behandlungseinheit
Früh wieder auf die Beine
Bereits kurz nach einer Operation beginnt die Krankengymnastik. Ziel ist es, die Patienten möglichst früh wieder in Bewegung zu bringen. Gleichzeitig wird geprüft, ob eine geriatrische Frührehabilitation sinnvoll ist. In diesem Fall wechseln die Patienten von der chirurgischen auf die akutgeriatrische Station. Dort stehen aktivierende Pflege, intensive Therapieangebote sowie die Behandlung altersbedingter Begleiterkrankungen im Mittelpunkt.
Die Vorteile dieses ganzheitlichen Behandlungskonzepts zeigen sich auch in den Ergebnissen.
Mehr als die Hälfte der Patienten lebt vor ihrem Sturz alleine, ein weiteres Drittel gemeinsam mit dem Ehepartner. Über 80 Prozent wohnen im eigenen Zuhause oder ihrem gewohnten Haushalt und etwa jeder dritte Patient besitzt zum Zeitpunkt des Sturzes noch keinen Pflegegrad. Um diese Selbstständigkeit möglichst zu erhalten, werden Mobilität und Alltagsfähigkeiten während des gesamten Aufenthalts regelmäßig erfasst und gefördert.
Dabei zeigt sich, dass viele Patienten bereits während ihrer Behandlung in der Akutklinik deutliche Fortschritte erzielen. Der Barthel-Index, der die Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten wie Essen, Waschen oder Anziehen bewertet, verbessert sich während des stationären Aufenthalts ebenso wie die Mobilität. Gleichzeitig benötigen die Patienten bei ihrer Entlassung deutlich weniger Unterstützung beim Aufstehen oder beim Wechsel vom Bett in den Stuhl als noch bei ihrer Aufnahme.
Gebündelte Kompetenz unter einem Dach
Eine besondere Stärke des Alterstraumatologischen Zentrums ist die enge Verzahnung der verschiedenen Fachrichtungen. Die Unfallchirurgie verfügt als Regionales Traumazentrum sowie als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung über große Erfahrung in der Behandlung komplexer Verletzungen und Gelenkerkrankungen. Gerade ältere Menschen mit Brüchen in Gelenknähe oder bereits bestehenden Einschränkungen profitieren von dieser hohen Spezialisierung.
Gleichzeitig bringt die Geriatrie ihre langjährige Erfahrung in der Behandlung älterer Menschen ein – sowohl in der Akutgeriatrie als auch in der geriatrischen Rehabilitation. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der aktuellen Verletzung, sondern auch darum, Sturzursachen zu erkennen, Begleiterkrankungen zu behandeln, Medikamente zu überprüfen und das Risiko weiterer Stürze möglichst zu reduzieren.
Eine Besonderheit am Standort Ehingen ist zudem die enge personelle Zusammenarbeit. Zentrumskoordinatorin Dr. med. Elke Haseroth ist Fachärztin für Chirurgie und verfügt zusätzlich über die Zusatzbezeichnung Geriatrie. Sie verbindet damit beide medizinischen Fachrichtungen und sorgt dafür, dass moderne unfallchirurgische Behandlungskonzepte und geriatrische Expertise optimal ineinandergreifen.
Auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus profitieren die Patienten von den kurzen Wegen innerhalb der ADK GmbH. Mit der Geriatrischen Rehaklinik und der Kurzzeitpflege im Seniorenzentrum stehen wohnortnahe Angebote für die weitere Behandlung zur Verfügung.
Für viele ältere Menschen bedeutet eine erfolgreiche Behandlung weit mehr als einen gut verheilten Knochenbruch. Sie bedeutet, wieder selbst einkaufen zu können, die Treppe in den ersten Stock zu schaffen oder den eigenen Garten zu pflegen. Genau dieses Ziel verfolgt das Alterstraumatologische Zentrum am Alb-Donau Klinikum Ehingen: Älteren Menschen nach einem Sturz nicht nur medizinisch bestmöglich zu helfen, sondern ihnen möglichst viel Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten. Die 82-jährige Frau steht deshalb schon wenige Wochen später wieder in ihrem Garten – vorsichtig, aber selbstständig.
PATIENT
z.B. nach Sturz
mit Knochenbruch
ZNA
Diagnosestellung
Markierung als
ATZ-Patient
> 70 Jahre
OP
AKUTVERSORGUNG
IN DER CHIRURGIE
VERLEGUNG
AUF DIE AKUTGERIATRIE STATION 3F
SOZIALER BERATUNGSDIENST
Wöchentliche Teamkonferenzen
Gemeinsam mit dem Sozialdienst, Pflege, Therapeuten sowie Ärzten der Chirurgie und Geriatrie.
Alterstraumatologisches Zentrum: Zertifizierte Qualität
Seit Februar 2026 ist das Alb-Donau Klinikum Ehingen als Alterstraumatologisches Zentrum (ATZ) unter der Leitung von Prof. Dr. med. Michael Kramer (Chefarzt der Chirurgischen Klinik) und Dr. med. Michael Jamour (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie und der Geriatrischen Rehabilitationsklinik Ehingen) zertifiziert. Die Auszeichnung bestätigt die hohe Qualität der Versorgung älterer Menschen mit Knochenbrüchen und stellt die enge Zusammenarbeit von Unfallchirurgie, Geriatrie, Pflege, Therapie und weiteren Berufsgruppen in den Mittelpunkt. Grundlage der Zertifizierung sind klar definierte Qualitätsstandards, regelmäßige Audits und standardisierte Behandlungsabläufe. Patienten profitieren dadurch von einer medizinischen Versorgung, die nicht nur den Knochenbruch behandelt, sondern den alten Menschen mit seinen besonderen Bedürfnissen noch besser in den Blick nimmt.
Die Chirurgische Klinik und die Klinik für Innere Medizin und Geriatrie haben erstmalig im Februar 2026 gemeinsam das Zertifikat „Alterstraumatologisches Zentrum“ durch die unabhängige Zertifizierungsstelle GeriZert erhalten. Das Siegel steht für eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung von Patienten ab 70 Jahren, die nach einem Knochenbruch im Krankenhaus behandelt werden.