26.02.2026 | Ein Jahr Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin im Alb-Donau-Kreis: Erfolgsmodell gegen den Hausärztemangel
Ziel des Verbunds ist es, angehenden Fachärzten für Allgemeinmedizin eine strukturierte, qualitativ hochwertige Weiterbildung zu ermöglichen – stationär wie ambulant – und sie frühzeitig für eine langfristige Tätigkeit in der Region zu gewinnen.
Aktuell werden am Alb-Donau Klinikum 55 Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg zum Facharzt für Allgemeinmedizin ausgebildet. Mit der Gründung des Weiterbildungsverbunds hat dieses Thema auch innerhalb der Klinik nochmal eine höhere Wichtigkeit erhalten, so dass die Weiterbildungskapazitäten gesteigert werden konnten. So wurden beispielsweise in der Inneren Medizin am Klinikstandort Blaubeuren bis 2024 jährlich rund sechs bis sieben Ärzte weitergebildet, 2025 waren es bereits acht. Ab diesem Jahr beginnt monatlich je ein weiterer Arzt die Weiterbildung. Dadurch werden künftig alleine durch das Engagement der Fachabteilung von Dr. med. Roland Eisele jährlich 12 niedergelassene Allgemeinmediziner in die Versorgung gehen können. Die Nachfrage ist so hoch, dass nicht alle Interessenten am Alb-Donau Klinikum selbst weitergebildet werden können. Genau hier zeigt sich der besondere Wert des Verbunds: Interessierte Ärzte gehen nicht verloren, sondern können ihre Weiterbildung bei niedergelassenen Kooperationspartnern fortsetzen. Dr. Eisele betont: „Der Weiterbildungsverbund zeigt eindrucksvoll, wie viel erreicht werden kann, wenn Klinik, Praxen und ärztliche Organisationen an einem Strang ziehen. Die hohe Nachfrage bestätigt, dass wir mit verlässlichen Strukturen, guter Betreuung und klaren Perspektiven genau das bieten, was junge Ärztinnen und Ärzte suchen – und was unsere Region dringend braucht.“
Der Handlungsbedarf ist groß. Im Alb-Donau-Kreis gibt es derzeit 132 Allgemeinmediziner, ein Drittel von ihnen ist älter als 60 Jahre und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Ohne gezielte Nachwuchsförderung drohen spürbare Versorgungslücken – insbesondere vor dem Hintergrund der Diskussion um ein verpflichtendes Primärarztmodell ist dies eine große Herausforderung. Das Alb-Donau Klinikum übernimmt hier bewusst gesellschaftliche Verantwortung und bildet nicht nur für den eigenen Bedarf weiter, sondern für die medizinische Versorgung der Bevölkerung im gesamten Landkreis.
Die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Allgemeinmedizin umfasst insgesamt 60 Monate, zwölf Monate davon müssen in einer Klinik absolviert werden. In Absprache mit den niedergelassenen Ärzten übernimmt das Alb-Donau Klinikum bis zu 30 Weiterbildungsmonate und sorgt durch die Rotation in unterschiedlichen Fachabteilungen der Klinik für eine besonders fundierte Weiterbildung. Bis zu 12 Monate der Weiterbildung können in anderen Fachgebieten absolviert werden. Um eine möglichst breite Qualifikation zu gewährleisten, werden viele Weiterbildungsassistenten daher z.B. auch in der Orthopädie eingesetzt. Alle absolvieren sechs Monate auf der Intensivstation – dies ist eine Voraussetzung für die spätere Notarztausbildung. Damit leistet die ADK GmbH als Trägerin des Alb-Donau Klinikums zugleich einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der künftigen Notfallversorgung, da auch im Bereich der Notärzte insbesondere im ländlichen Raum ein Mangel absehbar ist.
Ein zentraler Baustein der Weiterbildung ist zudem der regelmäßige Austausch zwischen Klinik und ambulanter Versorgung. Unter dem Motto „Gesundheit im Fokus – der Mensch im Mittelpunkt“ treffen sich alle zwei Monate die Ärzte aller drei Klinikstandorte mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Die Themen orientieren sich gezielt an den Bedarfen der Praxen. Je nach Thema kommen dabei Experten verschiedener Fachrichtungen zu Wort, um ein Thema interdisziplinär und umfassend beleuchten zu können. Für alle Weiterbildungsassistenten ist die Teilnahme verpflichtend. Neben der fachlichen Weiterbildung steht dabei der Aufbau tragfähiger Netzwerke im Mittelpunkt – persönliche Kontakte, die den späteren Berufsalltag erleichtern und die Zusammenarbeit stärken.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Weiterbildung zum Facharzt Allgemeinmedizin sind die zwei Jahre, die die Ärzte in Weiterbildung in einer Hausarztpraxis absolvieren. Im Alb-Donau-Kreis engagieren sich derzeit 18 Hausarztpraxen in der Weiterbildung junger Kolleginnen und Kollegen. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Anforderungen in Klinik und Praxis ist das, was den angehenden Ärzten Sicherheit für ihre spätere Tätigkeit als Hausarzt gibt. In der Praxis erleben sie andere Krankheitsbilder, haben andere Diagnosemöglichkeiten und praktizieren das Patientengespräch noch einmal sehr viel intensiver. Dieser ambulante Weiterbildungsabschnitt ist daher sehr wichtig. Deshalb würdigen alle Beteiligten das Engagement und die Motivation der Hausärzte, die neben ihrem oft stressigen Praxisalltag zur Weiterbildung ihres eigenen Nachwuchses beitragen. Dies ist elementar für das Gelingen einer guten sektoralen Verbundweiterbildung.
Um den Verbund weiterzuentwickeln, ist ein Austausch mit der Bezirksärztekammer geplant. Dr. med. Sophia Blankenhorn, Vorsitzende der Kreisärzteschaft Alb-Donau und Präsidentin der Bezirksärztekammer Südwürttemberg, möchte gemeinsam mit einer Delegation das Alb-Donau Klinikum besuchen. Ziel ist es, Optimierungspotenziale zu identifizieren, die Weiterbildungsermächtigungen perspektivisch auszubauen und die Qualität der Ausbildung weiter zu erhöhen. Rund ein Jahr nach der Gründung des Weiterbildungsverbands betont sie: „Der Verbund ist ein echter Gewinn für die hausärztliche Versorgung im Alb-Donau-Kreis. Entscheidend ist, dass wir nicht nur mehr weiterbilden, sondern gut weiterbilden. Der enge Austausch, die Vernetzung und die gemeinsame Weiterentwicklung der Inhalte sind dafür zentrale Erfolgsfaktoren.“
