24.09.2026 | Den Rücken im Blick:

zwei Teilnehmer tauschen sich am Handy aus
Handy mit der Rectify App

Wie lässt sich im Pflegealltag etwas für den eigenen Rücken tun – und zwar nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret? Dieser Frage geht ein Pilotprojekt im Alb-Donau Klinikum an den Klinikstandorten Ehingen und Blaubeuren nach. Es wird geleitet von Lisa Natterer, die in der ADK GmbH die betriebliche Gesundheits­förderung verantwortet und Alina Kirmaier, die als Pflegewissenschaftlerin in der Pflegedirektion arbeitet.

13 Pflegekräfte testen dabei acht Wochen lang ein intelligentes Haltungsshirt von Rectify, das Bewegungen der Wirbelsäule erfasst und über eine App sichtbar macht. Die Nachfrage nach diesen 13 Plätzen war groß: Mehr als doppelt so viele Pflegekräfte wollten an dem Projekt teilnehmen. Da nicht alle Interessierten berücksichtigt werden konnten, wurden die Plätze ausgelost. Sieben Teilnehmende kommen aus Ehingen, sechs aus Blaubeuren.

Das Prinzip des Haltungssystems: Ein flexibler Sensorstreifen wird am Rücken getragen und erfasst Bewegungen der Wirbelsäule über 18 präzise 3D-Messpunkte. Die Daten werden in Echtzeit an die App übertragen. So wird sichtbar, was im Alltag sonst kaum wahrgenommen wird: Wie aufrecht ist die eigene Haltung? Wie verändert sie sich beim Sitzen, Stehen, Gehen oder Bücken? Die detaillierte Auswertung macht zudem Bewegungsmuster über den gesamten Tag nachvollziehbar. Der Sensor ist mit rund 30 Gramm leicht und kann unauffällig unter der Kleidung getragen werden.

Für die Teilnehmenden bedeutet das: Sie erhalten jeweils drei Shirts, einen Sensor und Zugang zur App. Ziel ist es, die eigene Haltung bewusster wahrzunehmen und möglichst viele Haltungspunkte zu sammeln. Bei einer ungünstigen Haltung kann das System mit einem sanften Vibrationsalarm einen kurzen Impuls geben. Auch individuelle Einstellungen sind möglich – beispielsweise, wenn bei einer Person nicht die Beugung nach vorne, sondern seitliche Bewegungen besonders relevant sind.

Die Rückmeldung bleibt dabei nicht bei der Analyse stehen. Aus den erhobenen Daten wird ein individuelles Training abgeleitet. Die Übungen sollen die Rückenmuskulatur stärken und können sich im Verlauf der acht Wochen verändern. Damit erhält nicht jeder dieselben Übungen nach einem festen Schema, sondern ein Training, das sich an den persönlichen Bewegungsmustern orientiert.

„Eigentlich wissen wir alle, dass Bewegung, eine gute Haltung, passende Hilfsmittel und gezieltes Training wichtig für einen gesunden Rücken sind. Die Herausforderung ist, dieses Wissen auch im Alltag umzusetzen“, sagt Natterer. Genau hier setzt das Pilotprojekt an: Durch die unmittelbare Visualisierung soll ein Bewusstsein für das eigene Bewegungsverhalten entstehen. Ähnlich wie bei einem Smart Home lassen sich Veränderungen unmittelbar beobachten und nachvollziehen.

Für zusätzliche Motivation sorgt ein spielerisches Punktesystem. Täglich können Münzen für das Tragen des Shirts, Bewegung, eine aufrechte Haltung, kleine Übungen und das individuelle Training gesammelt werden. Nach den Erfahrungen von Rectify kann der Blick auf die Bestenliste dabei helfen, die Motivation über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Beim Auftakt des Projekts betonten die Teilnehmenden allerdings vor allem einen anderen Antrieb: Sie wollen die acht Wochen nutzen, um ihrem eigenen Rücken etwas Gutes zu tun.

Das Ziel des Pilotprojekts ist es, Rückenbeschwerden vorzubeugen und langfristig dazu beizutragen, krankheitsbedingte Fehlzeiten aufgrund von Rückenproblemen zu reduzieren. Die achtwöchige Pilotphase wird von der AOK finanziert.