06.07.2026 | 20 Jahre zertifiziertes Brust-Zentrum Donau-Riß
Seit zwei Jahrzehnten steht das Brustzentrum Donau-Riß mit seinen Standorten in Ehingen und Biberach für eine qualifizierte Versorgung von Menschen mit Brusterkrankungen. Was im Herbst 2006 mit der erstmaligen Zertifizierung begann, hat sich zu einem festen Bestandteil moderner, interdisziplinärer Medizin in der Region entwickelt. Dieses Jahr feiert das Zentrum sein 20-jähriges Bestehen.
Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Mit rund 74.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Mammakarzinom die häufigste Krebserkrankung der Frau. In Baden-Württemberg stehen Patientinnen rund 50 zertifizierte Brustzentren zur Verfügung, die eine spezialisierte Versorgung nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft gewährleisten. Eines davon ist das Brustzentrum Donau-Riß, zu dem sich die Frauenkliniken Biberach und Ehingen vor 20 Jahren zusammengeschlossen haben. Hier arbeitet ein interdisziplinäres Netzwerk aus Spezialisten eng zusammen, um Betroffene mit der Diagnose Brustkrebs umfassend zu behandeln und zu begleiten. Die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft steht für geprüfte Behandlungsqualität und für ein Team, das medizinischen Fortschritt mit menschlicher Zuwendung verbindet. Regelmäßige Überwachungsaudits sowie die Rezertifizierung im Dreijahresrhythmus – zuletzt im Oktober 2024 – sichern diese Qualität – zuletzt im Oktober 2024. Die Anforderungen wurden dabei durchgehend ohne Beanstandungen erfüllt. Zum Jubiläum blicken die Leiter des Brustzentrums, Dr. med. Steffen Fritz, Chefarzt der Frauenklinik im Sana Klinikum Landkreis Biberach, und Prof. Dr. med. Florian Ebner, Chefarzt der Frauenklinik im Alb-Donau Klinikum Ehingen, gemeinsam auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre.
Prognose bei Brustkrebs deutlich verbessert
Die Prognose nach einer Brustkrebsdiagnose hat sich in den vergangenen Jahren signifikant verbessert. So ist die Sterblichkeitsrate trotz steigender Fallzahlen rückläufig. Neben dem Mammographie-Screening ist dies vor allem auf therapeutische Fortschritte und deutlich zielgerichtetere Behandlungsmöglichkeiten zurückzuführen. Eine große Rolle spielt auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den zertifizierten Brustzentren. Fachbereiche wie Gynäkologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie und Strahlentherapie stimmen Diagnostik und Therapie leitliniengerecht aufeinander ab. Operationen können heute schonender und präziser durchgeführt werden. Systemische Therapien ermöglichen eine zunehmend individualisierte Behandlung und moderne Strahlentherapien sind wirksamer sowie besser verträglich. Diese Fortschritte spiegeln sich auch in den Behandlungsergebnissen wider: Rund 3.800 Menschen wurden in den vergangenen Jahren im Brustzentrum versorgt. Die Auswertungen zeigen dabei ein 5-Jahres-Überleben, das rund acht Prozent über dem Durchschnitt liegt. „Wir legen großen Wert auf eine individuelle Betreuung, eine umfassende Beratung und eine ganzheitliche Therapieplanung. Die Therapie wird gezielt auf die jeweilige Tumorhistologie abgestimmt“, so die beiden Chefärzte.
Früherkennung ist entscheidend
Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Allerdings verursacht Brustkrebs oftmals keine Schmerzen – die Mammographie hingegen kann als unangenehm empfunden werden; zudem sind für die Erstellung Röntgenstrahlen erforderlich. „Wir hören leider immer wieder, dass deshalb auf eine Mammographie verzichtet wird.“ Dabei verringert die Kompression der Brust die erforderliche Strahlendosis, gleichzeitig ermöglicht sie durch weniger Überlagerungen eine bessere Beurteilbarkeit des Gewebes. Als ergänzendes Verfahren, insbesondere bei dichtem Brustgewebe, steht der Ultraschall zur Verfügung, der ohne Strahlungsbelastung auskommt. Gemeinsam leisten beide Verfahren seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung. Insbesondere das vor 20 Jahren eingeführte Mammographiescreening trägt deutlich zur Verringerung der Brustkrebssterblichkeit bei – das ist das Ergebnis einer Studie, die 2025 vom Bundesamt für Strahlenschutz vorgestellt wurde. Demnach gingen unter den Screeningteilnehmenden die Brustkrebs-Todesfälle zwischen 20 und 30 Prozent zurück, wodurch statistisch etwa jeder vierte Brustkrebstod verhindert werden konnte. Derzeit werden Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre zur Untersuchung eingeladen. Die Erweiterung des Programms für Frauen ab 45 Jahren ist geplant. Der Bundesausschuss und der Fachservice Mammographiescreening prüfen aktuell die Umsetzung, eine Entscheidung soll im Herbst 2026 fallen.
Chemotherapie nicht immer erforderlich
Ein häufiger Grund für eine verzögerte Abklärung ist auch die Sorge vor einer Chemotherapie. „Tatsächlich richtet sich die Therapieempfehlung heute sehr differenziert nach Tumorgröße, Ausdehnung und biologischen Eigenschaften der Tumorzellen“, erklärt Dr. Fritz. „Alle Fälle werden in unserer Tumorkonferenz besprochen, gemeinsam legen wir das optimale Vorgehen fest.“ In vielen Fällen kann eine Chemotherapie heute vermieden oder sehr gezielt eingesetzt werden. Ist sie notwendig, erfolgt sie häufig vor der Operation, um das Ansprechen direkt beurteilen zu können. Im Idealfall bildet sich der Tumor vollständig zurück. Die dafür notwendigen Informationen liefert die Gewebeprobe, die sogenannte Biopsie. „Immer wieder wird dabei die Sorge geäußert, dass durch eine Biopsie Tumorzellen in den Körper gelangen und das Risiko einer Metastasierung erhöhen“, so die Chefärzte. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass eine Biopsie das Überleben bei Brustkrebs nicht verschlechtert. Die gewonnenen Informationen ermöglichen vielmehr eine präzisere, individuellere und häufig nebenwirkungsärmere Therapie. Durch die enge Anbindung des Zentrums an die Universität Ulm haben Patientinnen zudem die Möglichkeit, an den modernsten Behandlungen und klinischen Studien teilzunehmen. „Das Spektrum reicht von medikamentösen Therapien über unterstützende Angebote wie Sport- und Bewegungsprogramme zur Verbesserung der Lebensqualität bis hin zu Ansätzen zur Optimierung der Nachsorge“, betont Prof. Ebner.
20 Jahre gelebte Zusammenarbeit
Die beiden gleichberechtigten Standorte gewährleisten eine wohnortnahe Versorgung. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch: Für Betroffene in der Region bedeutet das seit zwei Jahrzehnten hohe medizinische Qualität, persönliche Betreuung, kurze Wege und die Sicherheit, mit ihrer Erkrankung in erfahrenen Händen zu sein. Auf dieser Grundlage blickt das Brustzentrum Donau-Riß in die Zukunft – mit dem Ziel, weiterhin überdurchschnittliche Ergebnisse in Diagnostik, Therapie und ganzheitlicher Begleitung zu erzielen.
