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Die Niere - viel mehr als nur ein Aus-scheidungsorgan

Bericht vom Gesundheitsforum Ehingen am 13. September 2017

Wie wichtig eine gesunde Niere ist, machte er an ihren Aufgaben fest: Sie diene nicht nur der Entgiftung und gleiche den Flüssigkeits- und Salzhaushalt aus, vielmehr regle sie auch den Blutdruck und den Säure-Basen-Haushalt, sei für die Bildung der roten Blutkörperchen mitverant­wortlich und sorge für die Mineralisation der Knochen.

Schon an diesen Beispielen sei ersichtlich, dass Nierenerkrankungen viele Auswirkungen auf das tägliche Leben und unsere Lebensqualität haben, so Dr. Boy. Daher ist es sehr bedauerlich, dass eine Nierenerkrankung häufig sehr schleichend beginnt und daher erst sehr spät bemerkt wird. Eine Abschätzung der Nierenfunktion ist durch die Bestimmung des Laborparameters Kreatinin möglich.
Die Prävention beginnt bei Niere wie bei vielen anderen Zivilisations­krankheiten beim Lebensstil. So sei es wichtig, Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen und sich regelmäßig sportlich zu betätigen. Dabei habe sich bewährt, sich entweder fünf Tage in der Woche 30 Minuten moderat zu bewegen oder sich an drei Tagen jeweils 20-30 Minuten spürbar zu belasten.

Auch die Ernährung spiele eine Rolle. Durch eine Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter pro Tag unterstütze man die Arbeit der Nieren. Ungesättigte Fettsäuren wirken sich ebenfalls positiv aus. Dagegen sei bei Kalium und Phospat Vorsicht geboten, ins­besondere dann, wenn die Funktion der Niere bereits eingeschränkt sei. In diesem Fall sei es allerdings unerlässlich, die Ernährung und insbesondere die noch erlaubte Trinkmenge individuell mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.

Zudem sollten die Blutdruckwerte gut eingestellt sein, da ein erhöhter Blutdruck ein wesentlicher Risikofaktor für das Fortschreiten einer Nierenerkrankung sei. Ebenso zentral sei die Vermeidung von hohen Blutzuckerwerten. Denn diese zerstörten auf Dauer Blutgefäße im ganzen Körper. Davon seien auch die kleinen Gefäße in der Niere betroffen. In rund einem Drittel aller Nieren­erkrankungen sei daher auch Diabetes die Ursache der Nierenschwäche. Medikamente könnten die Nieren ebenfalls schädigen. Hier spielen insbesondere Schmerzmittel, Antibiotika, Diuretika und Blutdrucksenker eine Rolle.
Dr. Boy erläuterte, dass die Nierendurchblutung ab dem 40. Lebensjahr abnehme und bereits rund 60% der über 70jährigen unter einer Nierenschwäche leiden. Aus diesem Grund seien regelmäßige Kontrollen bereits ab dem 40. Lebensjahr sinnvoll.

Die Leitsymptome einer Nierenschwäche seien die Abnahme der Urinmenge auf unter 500 ml/Tag sowie ein auffälliger Urin (rötlich verfärbt, eitrig oder schäumend). Juckreiz, Übelkeit und das Fehlen von Appetit sowie Müdigkeit, Leistungsminderung und Luftnot sind späte Symptome und kennzeichnen bereits das Nierenversagen.
Ist die Niere in ihrer Funktion geschädigt, so kommt eine Nierenersatz­therapie über verschiedene Formen der Dialyse sowie eine Nierentrans­plantation infrage. Derzeit warten rund 8000 Menschen auf eine neue Niere, 2016 wurden 2100 Nieren transplantiert. Diese Zahlen zeigen, dass weit weniger Organe zur Verfügung stehen als notwendig wären. Die Wartezeit auf ein Spenderorgan liegt derzeit für Nieren­patienten bei 6-7 Jahren. Mit verantwortlich dafür ist die Tatsache, dass 35% der Bundesbürger einen Organspendeausweis haben, obwohl Umfragen zufolge die meisten Bundesbürger dem Thema Organspende positiv gegenüber stehen.

Aus diesem Grund benötigten Nierenpatienten häufig über Jahre eine Dialysetherapie, bei welcher mehrmals in der Woche Blut extern gereinigt wird. Für die Betroffenen bedeutet dies oftmals eine starke Einschränkung in ihrem gewohnten Alltag.