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Fast Track Chirurgie - schneller fit nach Knie- und Hüft-OP

Gesundheitsforum Ehingen am 11. Januar 2017

Bereits vor mehr als 50 Jahren wurde 1960 der Knochenzement entwickelt – er war die Voraussetzung für eine richtig feste Verankerung des Implantats im Körper des Patienten. Nur drei Jahre später wurde die erste Hüftendoprothese in Deutschland eingesetzt – gleichzeitig wurde durch die Zugabe von Antibiotika zum Zement das Infektionsrisiko gesenkt. Mit der Zeit wurde vor allem die Qualität der verwendeten Kunststoffe verbessert, wodurch sich der Abrieb reduzierte. Somit konnte auch die Lockerungsrate  der Prothesen gesenkt werden.

210.000 Knie- und Hüftprothesen werden jährlich in Deutschland eingesetzt. Momentan geht man von einer Haltbarkeit von 15-20 Jahren aus, bis eine Prothese aufgrund einer Lockerung gewechselt werden muss. Die Literatur aus den USA zeigt mittlerweile sogar 40-Jahres-Ergebnisse. Dabei ist das Feld der Gelenkersatzoperationen eine Erfolgsgeschichte – rund 90 Prozent der Patienten nach einer Hüft-OP sind zufrieden. Selbst beim Knie mit seiner deutlich komplexeren Mechanik sind noch acht von zehn Patienten zufrieden.
Wenn das alles so gut läuft – wofür braucht es dann die Fast Track Chirurgie? Zum einen verbringen die wenigsten Menschen ihre Zeit gerne im Krankenhaus und wollen daher so schnell wie möglich wieder nach Hause. Aber auch medizinische Gründe sprechen für diesen neuen Ansatz. Denn durch die schnellere Mobilisation sinkt das Thromboserisiko und es wird weniger Muskelmasse abgebaut.
Erreicht wird das Ziel durch eine Patientenschulung vor der OP, durch einen schonenden Zugang, durch eine Reduzierung des Blutverlusts und ein optimiertes Schmerzmanagement in den Tagen nach dem Eingriff.
Durch eine optimale Planung der OP können individuelle Aspekte wie die Erwartungen des Patienten, die Wahl des Implantats und die Verankerungsmethode sowie das individuelle Risiko einer Infektion schon vor der Aufnahme im Krankenhaus geklärt werden.
Bereits am Aufnahmetag beginnt das Training mit den Gehstützen – so gehen die Patienten bereits gut vorbereitet in ihre OP und kommen dadurch danach auch besser mit den Gehstützen zurecht.
Zudem nutzen die Ärzte den so genannten Cellsaver, mit dessen Hilfe das während der OP verlorene Patientenblut gesammelt und nach einer Aufbereitung wieder dem Patienten zugeführt wird. Auch der möglichst große Verzicht auf Schläuche trägt mit zu einer schnelleren Genesung des Patienten bei. Dafür wesentlich verantwortlich ist auch ein effektives Schmerzmanagement, denn je weniger Schmerz ein Patient spürt, umso leichter fällt es ihm, das Bewegungsprogramm nach der OP zu absolvieren. Hier geht die Klinik vermehrt den Weg, die Schmerzen genau dort zu nehmen, wo sie auch entstehen.

Denn bereits am OP Tag erfolgt die erste kurze Mobilisation. Nur einen Tag nach der OP finden die ersten krankengymnastischen Einheiten statt. Von da an hat der Patient täglich Krankengymnastik und Mobilisationstraining, begleitet wird dies durch Lymphdrainage. Am fünften Tag nach der OP üben die Patienten bereits das Treppensteigen mit ihren Gehstützen und wenn die Heilung gut verläuft und keine Komplikationen auftreten, können die Patienten bereits ab dem 6 sechsten Tag nach der Operation nach Hause oder direkt in die Rehabilitation entlassen werden.
In der einstündigen Diskussion nach dem eigentlichen Vortragsende wurde deutlich, dass Dr. Elbel den Nerv der Zuhörer getroffen hat.